Zahlen, Daten, Fakten

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Alkohol

ca. 11 Mio. Deutsche haben ernsthafte Probleme mit Alkohol
ca. 2,4 Mio. (5%) Deutsche missbrauchen Alkohol (18-59 Jahre)
ca. 1,5 Mio. (3%) Deutsche sind Alkoholabhängig (18-59 Jahre)
ca. 7% der 16-17 jährigen sind Alkoholabhängig
ca. 42.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen vom Alkohol in Dtl.
mind. jedes 350. Neugeborene wird schon im Mutterleib durch Alkohol geschädigt
ca. 2 Mio. Kinder leben mit Alkoholkranken Eltern zusammen
ca. 14% der 12-25 jährigen trinken pro Woche mehr als 120 gr. reinen Alkohol


 

Nikotin

ca. 17 Mio. Deutsche sind Raucher (18-59 Jahre),
davon 45% bei den 18-20 jährigen
ca. 38% der 12-25 jährigen sind Raucher
ca. 20% der 14-24 jährigen sind Nikotinabhängig
ca. 111.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen
von Nikotingenuss in Deutschland
ca. 340 Tote in Deutschland aufgrund des Nikotingenusses
allein die 15-24 jährigen gaben 2000 rund 4 Mrd. DM für Tabak aus

 

Cannabis

ca. 26% aller 12-25 jährigen haben Erfahrung mit Cannabis gemacht
mit durchschnittlich 16 Jahren wird die erste Erfahrung gemacht
die Probierbereitschaft liegt bei über 50% in Deutschland.
ca. 30% der Konsumenten müssen stationär oder
ambulant behandelt werden
Designerdrogen

ca. 5% aller 12-25 jährigen haben Erfahrung mit Designerdrogen gemacht

 

Kokain


c
a. 4% aller 18-24 jährigen haben Erfahrung mit Kokain gemacht
ca. 1,5% der 18-24 jährigen haben in den letzten 30 Tagen Kokain konsumiert

 

Medikamente

ca. 1,4 Mio. Menschen in Deutschland sind von Medikamenten abhängig
ca. 8% aller verordneten Medikamente besitzen Abhängigkeitspotential
2000 wurden 36% der Arzneimittelpackungen ohne Rezept gekauft

 

SPIELSUCHT

Glücksspielen kann zur Sucht werden. Die Zahl derer, bei denen Spielen krankhafte Züge annimmt, steigt ständig.
Experten schätzen die Zahl der behandlungsbedürftigen Spieler auf in Deutschland 400 000. Die Zahlen für andere Länder liegen in der gleichen Größenordnung. In Deutschland wurden Umsätze auf dem Glücksspielmarkt im Jahr 2005 von rund 27 Milliarden Euro getätigt.
Als pathologisch bezeichnet man diese Verhaltensstörung dann, wenn dadurch persönliche, familiäre und berufliche Zielsetzungen zerstört werden. Wird auf der einen Seite immer wieder der Suchtcharakter des pathologischen Spielens betont, sprechen andere eher von Störungen der Impulskontrolle, oder aber es wird der Zwangscharakter der Spielleidenschaft definiert.
Die Leistungen der Deutschen Rentenversicherung zur stationären Rehabilitation von pathologischen Glücksspielern haben sich seit dem Jahr 2000 verdoppelt, wobei Männer weitaus überwiegen. Die Aufenthaltsdauer liegt bei etwa zwei Monaten.

Handelt es sich hier um weit über 600 Fälle, so geht die Deutsche Suchthilfestatistik von etwa der Hälfte aus, jedoch ebenfalls mit erheblichem Anstieg. Demgegenüber erscheinen die Zahlen der AOK mit 70 Fällen von stationärer Behandlung für das Jahr 2004 relativ gering.
Eine aktuelle Hochrechnung des Instituts für Therapieforschung in München geht von über 1000 im Jahr 2004 behandelten Glücksspielern aus, wenn man die Zahlen der stationären Suchteinrichtungen und der psychosomatischen Kliniken addiert. Für den ambulanten Bereich spricht die Deutsche Suchthilfestatistik von etwa 5300 Glücksspielern. Es besteht erheblicher Forschungsbedarf, um exaktere Zahlen zu ermitteln, insbesondere auch im Hinblick auf neue Wettangebote, wie Sportwetten und Internet.
WANC 19.09.07
Quelle: S. Queri: Behandlungsprävalenz pathologischen Spielens.
Fortschritte der Neurologie, Psychiatrie 2007; 75 (8): S. 458-462

 

Internet - Sucht

Unter Internetsucht, Computerspielsucht oder Internetabhängigkeit versteht man den zwanghaften Drang, sich regelmäßig und extensiv mit dem Internet zu befassen.
3 Prozent aller dt. Online-Nutzer sind internetsüchtig (Studie Humboldt Universität Berlin), insbesondere Jugendliche unter 18 Jahren neigen zum exzessiven chatten, surfen und spielen (ca. 8 Prozent sind süchtig).

Von Computerspielen abhängig sind vor allem Männer im Alter von 20 bis 25 Jahren. Meist ist der Rückzug in die virtuelle Welt des Internet eine Flucht. Die Betroffenen kommen nicht mit dem realen Leben zurecht, haben Probleme mit Partnerschaften oder dem Beruf. In der Ersatzwelt des Internet werden sie nicht mit ihren Ängsten und Unsicherheiten konfrontiert und können sich ausleben, können das tun und sein, was ihnen in der realen Welt nicht möglich ist. Hinter der Computerspielsucht oder der Internetsucht verbergen sich immer psychische Probleme - Ängste, Unsicherheiten, mangelndes Selbstvertrauen , Depressionen , usw. Für eine Computersucht besonders empfänglich sind vor allem Menschen, die sich schwertun, mit anderen in Kontakt zu treten, die unter einer starken sozialen Angst leiden.

Die Internetsucht ist eine Sucht wie die Spiel- oder Alkoholsucht, d.h. der Süchtige weist alle Merkmale eines abhängigen Menschen auf.
Merkmale der Internetsucht (Computerspielsucht):
- ein Großteil der Tageszeit wird im Internet verbracht (20 und mehr Stunden wöchentlich)
- man verliert die Kontrolle über die Zeit
- man steigert die tägliche Dosis ständig, um die gleiche Befriedigung zu erhalten
- man hat Entzugserscheinungen wie Nervosität, Angst und Schlaflosigkeit
- man vernachlässigt seine sozialen Kontakte, geschäftlichen Verpflichtungen und Interessen
- man schränkt die Nutzung nicht ein, obwohl es negative Auswirkungen auf Gesundheit, Kontakte, Beruf, Familie und Freunde gibt.
Zu den therapeutischen Strategien gehören:
- Zeitpläne zu erstellen, um online Stunden zu verringern. (Wecker neben Computer stellen)
- Ein alternatives Freizeitverhalten aufzubauen
- Soziale Ängste, Hemmungen und seelische Probleme, die sich hinter der Internetsucht verbergen, zu bearbeiten und zu überwinden
- sich bewusst wieder für genügend langen Schlaf und gesunde regelmäßige Ernährung entscheiden.

 

SEXSUCHT

Sex kann zur Sucht werden. Menschen, die sexsüchtig sind, suchen immer wieder den Reiz des Verführens, den Kick des Aufreißens. Schnelle Erregung, der Rausch des Höhepunktes, täglich, häufig mehrmals täglich, wird zum Muss. Es spielt keine Rolle, wer die Sexpartner sind, welche Bedürfnisse sie haben. Ein schneller Blick, intensives Taxieren, anmachen, abschleppen ins Bett: Stationen eines Sexrausches. Für viele Sexsüchtige beginnt so der Weg ins soziale Aus, sie setzen sich unwürdigen Situationen aus, um einen Sexpartner zu finden, sie belügen und betrügen ihre Partner und Familien. Oft führen Sexsüchtige ein Doppelleben, machen Schulden, spielen das Spiel der Normalität.
Sexsüchtig zu sein, erfordert ein gutes Gedächtnis, macht viel Arbeit und ist sehr anstrengend.
Hinter der Sexsucht stecken meist ungelöste innere Konflikte. Minderwertigkeitsgefühle, gestörte emotionale Beziehungen, zwanghafte Suche nach Nähe; die Sucht bietet keinen Ausweg. Und wie bei anderen Süchten auch, dreht sich der Süchtige wie in einer Spirale. Das Verlangen wächst, die Hoffnung endlich Befriedigung zu finden steigt, die Enttäuschung folgt auf dem Fuße und erneut keimt Hoffnung auf, dass mit dem nächsten „Mal“ endlich die ersehnte Erfüllung kommt. Wieder vergebens: Leere, Suche, Verzweiflung warten erneut auf den Süchtigen. Alltag eines Süchtigen. Für ihn zählt nur, den Druck zu mindern, die Spannung abzubauen, mit Sex andere Empfindungen zu betäuben. Nicht fühlen: so könnte sein Programm lauten.

Laut Statistik gehören gerade junge Leute zwischen zwanzig und dreissig Jahren zu den Betroffenen. In diesem Alter ist es relativ einfach, der Lust freien Lauf zu lassen.
Es wurde festgestellt, dass bei einem hohem Prozentsatz der Familienangehörigen von Sexsüchtigen ebenfalls Süchte bestehen. Dadurch werden die Betroffenen besonders anfällig für Stress , Frustrationsintoleranz und mangelnde Impulskontrolle

 

SELBSTSUCHT

Selbstsucht bedeutet nicht, zu leben wie man wünscht, sondern von anderen zu verlangen, dass sie so leben, wie man es wünscht. Oscar Wilde

Eine rote Rose ist nicht selbstsüchtig, weil sie eine rote Rose sein will. Es wäre aber furchtbar selbstsüchtig, wenn sie wollte, daß alle Blumen im Garten rote Rosen sind. Oscar Wilde

Viel zu viele Christen sind selbstsüchtig. Sie geben ihrer natürlichen menschlichen Liebe den Vorzug gegenüber der göttlichen Liebe, welche ausgegossen ist in ihren Geist – in ihre Herzen. - Kenneth Hagin –

Zügellose Selbstsucht

Der Egoist bemüht sich krampfhaft um Selbstverwirklichung - meist auf Kosten anderer. Doch die rücksichtslose Stärkung des eigenen Ichs ist nur eine scheinbare...
Reinhold Ortner
Wer egoistisch ist, bezieht sein Verhalten und das seiner Mitwelt immer vorrangig auf sich selbst. Er stellt sein Ich in den Mittelpunkt des Denkens, Fühlens und Tuns. Er strebt nach seinem Vorteil und der Erfüllung seiner Wünsche und nimmt wenig Rücksicht auf die Rechte anderer. Hat sich der Egoismus verfestigt und ist zum Maßstab des Lebens geworden, wird der Mensch süchtig nach sich selbst. Er wird geknechtet von der Gier nach Selbstbespiegelung, Besitz, Geld, Profit, Genuss und Macht. Selbsterhaltungstrieb. Nicht jedes selbstbezogene Verhalten ist Egoismus. Gott hat im Menschen den Selbsterhaltungstrieb angelegt. Jeder braucht, um leben zu können, die Befriedigung elementarer Bedürfnisse, zum Beispiel Nahrung, Wasser, Wärme, Schutz vor Lebensbedrohung. Dafür zu sorgen, ist kein Egoismus. Ethisch bedenklich wird es, wenn die Lebensrechte anderer dafür missachtet werden. Rücksichtslose Selbstdurchsetzung auf Kosten anderer ist geradezu das Krebsgeschwür des Egoismus und der Selbstsucht.


Wer egoistisch ist, bezieht sein Verhalten und das seiner Mitwelt immer vorrangig auf sich selbst. Er stellt sein Ich in den Mittelpunkt des Denkens, Fühlens und Tuns. Er strebt nach seinem Vorteil und der Erfüllung seiner Wünsche und nimmt wenig Rücksicht auf die Rechte anderer. Hat sich der Egoismus verfestigt und ist zum Maßstab des Lebens geworden, wird der Mensch süchtig nach sich selbst. Er wird geknechtet von der Gier nach Selbstbespiegelung, Besitz, Geld, Profit, Genuss und Macht. Selbsterhaltungstrieb. Nicht jedes selbstbezogene Verhalten ist Egoismus. Gott hat im Menschen den Selbsterhaltungstrieb angelegt. Jeder braucht, um leben zu können, die Befriedigung elementarer Bedürfnisse, zum Beispiel Nahrung, Wasser, Wärme, Schutz vor Lebensbedrohung. Dafür zu sorgen, ist kein Egoismus. Ethisch bedenklich wird es, wenn die Lebensrechte anderer dafür missachtet werden. Rücksichtslose Selbstdurchsetzung auf Kosten anderer ist geradezu das Krebsgeschwür des Egoismus und der Selbstsucht.

 

ARBEITSSUCHT

Arbeit als "ehrbares" Suchtmittel Arbeitssüchtige sind kaum in der Lage, sich zu entspannen. Der Arbeitssüchtige gilt als fleißig, erfolgreich, zielstrebig und leistungsbereit: Eigenschaften, die in unserer Gesellschaft hoch angesehen sind. Leicht wird übersehen, welchen Raubbau ein Süchtiger dabei mit seiner seelischen und körperlichen Gesundheit betreibt, wie er durch die Einengung seiner Kommunikationsfähigkeit und seiner sozialen Kompetenz mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt.
Auswirkungen der Arbeitssucht Je länger eine Arbeitssucht währt, umso mühsamer wird es, sie aufrecht zu erhalten. Mit der Zeit bröckelt die Fassade und die Kraft für die ungeheuren Anstrengungen lässt nach. Arbeitssüchtige versuchen, durch noch mehr Einsatz diese Entwicklung zu kompensieren. Dabei greifen sie oft zu Aufputsch- und Beruhigungsmitteln, meist kombiniert mit Alkohol und Nikotin. Die Gefahr ist groß, dass Arbeitssüchtige eine weitere Sucht entwickeln. Alkoholismus, Tablettensucht, Rauchen oder Esssucht sind die Folgen. Ein Süchtiger braucht oftmals einen Anstoß von außen: einen Menschen, der die Abhängigkeit nicht bewusst übersieht, sondern den Betroffenen mit seinem Problem konfrontiert. Deckt sein Umfeld jedoch ausnahmslos die Krankheit, wird der Betroffene selbst seine Sucht verleugnen und nicht versuchen, den Weg aus der Abhängigkeit zu finden. Bei manchen muss erst der absolute Tiefpunkt eintreten, bis sie aufwachen und die bestehende Krise realisieren.
Phasen der Arbeitssucht Einleitungsphase Diese beginnt meist schleichend. Betroffene versuchen, heimlich zu arbeiten. Stress und Hektik vermitteln ihnen Rauscherlebnisse. Durch den hektischen Arbeitsstil verzetteln sie sich und brauchen länger als früher, um gewohnte Tätigkeiten auszuführen. Andere Interessen und der Kontakt zur Familie und zu Freunden werden vernachlässigt. Kritische Phase Die Arbeit wird zu einem unkontrollierbaren Zwang. Die Betroffenen selbst merken, dass an ihrem Verhalten etwas nicht stimmt und versuchen, weniger zu arbeiten. Da sie sich aber ohne Arbeits- und Termindruck unwohl fühlen und überflüssig vorkommen, sorgen sie immer für einen Vorrat an Arbeit. In diesem Stadium treten verstärkt Erschöpfungszustände und Depressionen sowie Bluthochdruck und Magengeschwüre auf. Der Betroffene ist arbeitsunfähig und muss zwangsläufig eine Erholungsphase einlegen. Chronische Phase In dieser Phase arbeiten Süchtige ständig, auch am Abend und am Wochenende. Dadurch kommen sie in ein Schlafdefizit. Sie übernehmen zusätzliche Aufgaben, stellen hohe Ansprüche an sich und zeigen eine rücksichtslose Härte. Auf die Dauer hat diese Phase der widernatürlichen Belastungen ernste seelische und körperliche Folgen. Schwere Herz-Kreislaufstörungen, Magendurchbrüche und Nervenzusammenbrüche sowie Depressionen und Angstzustände treten auf. Endphase (burning out) Es kommt zu einem nicht mehr reparierbaren Bruch der Leistungsfähigkeit. Frühverrentung, Herzinfarkte und chronische Magengeschwüre sind die Folge. In psychologischen Tests zeigen sich verlangsamte Wahrnehmung, Denkschwäche und starke Konzentrationsstörungen. Die Folgen sind schwerste Depressionen, Selbstmordversuche oder gar der frühzeitige Tod.

 

BEZIEHUNGSSUCHT

Beziehungssucht gehört zu den stoffungebundenen Süchten, ähnlich wie Kauf-, Arbeitssucht oder Spielsucht. Im Vordergrund stehen die psychische Abhängigkeit und die zunehmende Beeinträchtigung der alltäglichen Lebensführung. Diese verdeckten Alltagssüchte sind keine festgeschriebenen Diagnosen, mit der Folge, dass es zwar klinische und therapeutische Erfahrungen, aber bislang nur wenig spezifische Behandlungskonzepte entwickelt werden konnten. Entweder neigen Beziehungssüchte dazu, immer wieder in einer Beziehung zu stecken, oder sind zu mindestens immer auf der Suche danach. Gefühle wie Unwohlsein und Ohnmachtgefühle stehen oft an der Tagesordnung. Oder aber man steckt in einer Beziehung, wo man nicht mehr raus kommt. Begriffe wie Hörigkeit werden dann dafür auf benutzt. Begriffe wie Beziehungssucht, Abhängigkeit oder Hörigkeit werden in Zeiten, in denen die Autonomie des Menschen einen sehr hohen Stellenwert hat, tabuisiert. Dies gilt besonders für Männer. Ihnen fällt es noch schwerer, sich zu ihrer Abhängigkeit zu bekennen und darüber zu sprechen. Es widerspricht dem Männerbild in unserer Gesellschaft. Nach Ansicht der Fachleute sind Männer genauso häufig und schmerzhaft abhängig in der Beziehung wie Frauen. Ein Mann kann vielleicht sagen, dass er von seiner Partnerin sexuell abhängig ist, aber nicht zugeben, dass er die Nähe und Geborgenheit seiner Partnerin braucht, um leben zu können. Abhängigkeiten entstehen in jeder Beziehung. Aussagen wie "Ich tue alles für dich" oder "Ich bin nichts ohne dich" entsprechen sogar unserem Liebesideal und gelten als höchster Liebesbeweis. Dass hinter solchen Aussagen eigentlich Selbstaufgabe steckt, ist vielen nicht bewusst. Beziehungssüchtige leben diese Selbstaufgabe aus und definieren ihren eigenen Wert ausschließlich über die Zuwendung des Partners. Bei der Beziehungssucht gesellt sich zu der grundlegenden Angst vor Nähe eine noch größere vor dem Verlassenwerden. Warnsignale der Beziehungssucht: Leben und Denken richten sich immer mehr nach dem Partner, nur noch sein Wille zählt. Selbstachtung und Selbstwertgefühl sinken. Kontakt zu Freunden und Familie nimmt ab. Der Partner übt durch Liebesentzug Macht aus. Die Betroffenen wehren sich nicht gegen Demütigungen - aus Angst, den Partner/die Partnerin zu verlieren. Oft kommen Schlaf- und Essstörungen, Depressionen, Erschöpfungszustände sowie Drogen- und/ oder Medikamentensucht hinzu.

 

KAUFSUCHT

Die Kaufsucht ist das in Anfällen auftretende, zwanghafte Kaufen von Konsumgütern und Dienstleistungen. Sie ähnelt anderen stoffegebundenen und ungebundenen Süchten ( Alkohol, Drogen, Arbeitssucht etc.). Symptome von einem unwiderstehlichem Drang nach dem Kauf von Artikeln, der stärker ist als der eigene Wille, der bishin zum Kontrollverlust gehen kann. Wie jede Sucht beeinträchtigt die Kaufsucht das Leben so sehr, das die Sucht vorrangig bestimmend ist. Diese Sucht ist ein Befriedigungsmittel, und kann ähnlich wie ein Beruhigungsmittel wirken. Die Sucht kann wie andere Süchte zu Dosissteigerung führen, so daß immer häufiger bzw. teurere Dinge angeschafft werden. . Kaufsüchtige kaufen ohne Rücksicht auf ihre finanziellen Verhältnisse. Die Folge ist eine immer höhere Verschuldung, die in den finanziellen Ruin führt und existenzbedrohend ist. Wonach ist man süchtig? Süchtig ist man genau genommen nicht nach einem bestimmten Suchtmittel, sondern nach dem, was einem dieses Mittel an "Suchterleben" verschafft, wie Stimulation oder Beruhigung. Bei der Kaufsucht verschafft das Kaufen selbst diese Befriedigung, weniger der Besitz oder das Konsumieren der Güter. Kaufen kann zum einen als "Tranquilizer" dienen: um eine innere Unruhe zu betäuben, um Depressionen oder Ängste zu unterdrücken, nicht angenommen, nicht geliebt, nicht beachtet zu werden. Zum anderen kann es auch als "Aufputschmittel" wirken: um sich ein Glücksgefühl zu verschaffen, um sich selbst zu beschenken, um eine innere Leere - ein "Loch in der Seele" - zu füllen, um durch aufregende "Jagdlust'" den deprimierenden Alltag zu vergessen, um aus der Realität zu fliehen, um Problemen auszuweichen, sich vor ihnen abzuschirmen. Die Merkmale: Alle Altersgruppen und alle Einkommens- und Bildungsschichten scheinen gleichmäßig von dieser Sucht betroffen zu sein. Fast alle Kaufsüchtigen spezialisieren sich auf bestimmte Produkte und Kaufumgebungen (z.B. Billigeinkauf von Lebensmitteln im Supermarkt, Einkauf von Kleidung in teuren Boutiquen, Bestellung von Haushaltswaren in Katalogen etc.). Frauen scheinen sich dabei mehr auf Kleidung, Schuhe, Schmuck, Lebensmittel und Bücher zu verlegen, Männer kaufen eher technische und modische Accessoires, technische Geräte, Sportgeräte etc. - insgesamt eher "Prestigeobjekte"". Manche Kaufsüchtigen kaufen nur heruntergesetzte Waren, bei manchen entscheidet die Gemütslage, welche Art von Produkten - und damit welche Symbole - gekauft wird (ein Pelz zum Kuscheln, ein Buch, um sich zurückzuziehen etc.). Es gibt deutliche Anzeichen dafür, daß Kaufsucht eine eher "weibliche" Sucht ist, wenn auch lange nicht so ausschließlich, wie beispielsweise Eß- oder Magersucht. Wie auch bei ähnlichen amerikanischen und kanadischen Untersuchungen hatten bei uns Frauen deutlich höhere Werte auf einem von Kanadiern entwickelten Test zur Messung von Kaufsucht. In unserer Untersuchung haben auch sehr viel mehr Frauen als Männer teilgenommen, was man jedoch auch dadurch erklären könnte, daß Frauen allgemein therapiewilliger und selbstkritischer sind als Männer, daß deswegen Männer ihr Kaufverhalten eher für "normal" halten, oder daß einkaufen immer noch eher in den Bereich der Frau fällt. Aufgrund unserer Tiefeninterviews sind wir jedoch überzeugt, daß Frauen aufgrund ihrer weiblichkeitsspezifischen Sozialisation, die passivere und emotionalere Verhaltensweisen fördert, innere Konflikte eher "unauffällig" lösen wollen, wozu sich die Kaufsucht "gut eignet". Ursachen: Eine solche Selbstwertschwäche entsteht durch eine Vielzahl von seelischen Verletzungen und Defiziten, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln. Dies beginnt in der Regel schon in der Kindheit. Eine Schlüsselrolle kommt hier dem Einfluß der Eltern zu: Alle unsere Kaufsüchtigen wurden als Kind emotional vernachlässigt, bekamen entweder Ablehnung und Gleichgültigkeit von seiten der Eltern oder aber ungebührliche Überversorgung zu spüren. Eigene Fähigkeiten, Meinungen und Gefühle waren nicht gefragt. Oft wurden Geschwister bevorzugt. Eine Erziehung zur Inkompetenz ('Das kannst Du ja doch nicht') und Belohnung mit materiellen Gütern waren die Regel. Auch sexuell mißbrauchte Kinder scheinen besonders anfällig für Suchtverhalten zu sein. Doch auch bestimmte Lebenssituationen oder "Schlüsselereignissen", können einen solchen Selbstwertknick hervorrufen: So bei einer Befragten, die seit einem Unfall, den ihr Mann verschuldet hat, an den Rollstuhl gefesselt ist. "Kaufen ist alles, was mir noch bleibt, wo ich mich noch lebendig fühle. Wenn ein Paket vom Versandhaus kommt, ist das ein Gefühl wie Weihnachten". Ihr Mann hat sich, seit sie behindert ist, völlig von ihr zurückgezogen. Eine andere Befragte ist von Geburt an kleinwüchsig. Ihr schlechtes Selbstbild führt zu einem schlechten Selbstbewußtsein. Besonders der Partner fehlt ihr: "Kaufen ist für mich Partnerersatz". Ein weiterer Befragter mußte gegen seinen Willen einen ungeliebten Beruf ergreifen. Durch das süchtige Sammeln von alten Uhren versuchte er, sich darüber hinwegzutrösten, und trieb sich damit in den finanziellen Ruin. Der süchtige Sammler kann nämlich nicht auf eine Gelegenheit warten, ihn interessiert mehr die stimulierende Wirkung des Kaufes, die "Jagdlust", als das Stück selbst. Die Befriedigung hält nur kurz an, dann ist der Kauf vergessen. Der echte Sammler zeichnet sich dagegen durch die kennerische und ständige Beschäftigung mit den Gegenständen seiner Sammlung aus. Frustkäufe: Jeder kennt das: Nach dem Ärger mit dem Chef oder mit dem Partner geht man in den nächstbesten Laden und "gönnt" sich was. Solche "Frustkäufe', auch als "kompensatorische Käufe" bezeichnet, haben psychisch die Funktion, Defizite wie Frustrationen kurzfristig auszugleichen und Problemen auszuweichen. Dies kann sogar ganz bewußt geschehen und ist grundsätzlich eine "normale" und funktionale Strategie für die Psyche. Schließlich wäre der Mensch überfordert, jedes Problem sofort anzugehen. Gefährlich wird es jedoch, wenn solche Defizite regelmäßig durch Käufe überwunden werden, der Frustkauf zur Gewohnheit wird. Das Problem, vor dem ausgewichen wird, kann dann nicht mehr nur ein vorübergehendes sein, sondern liegt in einem Persönlichkeitsdefizit, in der Regel einer Selbstwertschwäche, die sehr unterschiedliche Ursachen haben kann.
Laut Untersuchungen der Universität Stuttgart-Hohenheim ist Kaufsucht ein inzwischen weit verbreitetes Phänomen. Demnach sind 5 Prozent aller Erwachsenen "stark" und 20 Prozent "deutlich" kaufsuchtgefährdet. Doch nicht jeder der kaufsuchtgefährdet ist, gilt gleichzeitig als kaufsüchtig. Die Grenze zwischen einem "normalen" Frustkauf und der Kaufsucht liegt in dem immer wiederkehrenden Drang Dinge zu kaufen, die man nicht wirklich benötigt. Oft landen diese Sachen unausgepackt im überquellenden Schrank, oder kurze Zeit später im Container. Kaufsucht ist unauffällig, weil Kaufen gesellschaftlich akzeptiert ist. Aber als nichtstoffgebundene Sucht, ist sie mit anderen Suchtformen wie Alkohol-, oder Eßsucht, durchaus vergleichbar.