GOTTES LIEBE

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GOTTES LIEBE ERLEBEN:


Irgendwo im "wilden Kurdistan", wo die Sitte der Blutrache herrschte, erschlug ein Mann einen anderen im Streit. Sofort machte sich der Mörder auf die Flucht in die Berge, denn nun würde ja der Sohn des Erschlagenen hinter ihm her sein und nicht ruhen, bis die Rache vollzogen war. So war es auch. Der Mörder hatte keine ruhige Sekunde. Als er einmal im Schatten eines Baumes erschöpft eingeschlafen war, legte sich eine Hand auf seine Schulter. Vor Schrecken schlug er die Augen auf und sah in das Gesicht seines Verfolgers.

"Bist du der Mörder meines Vaters?" fragte dieser streng.
"Ja, ich habe die Schuld auf mich geladen und deinen Vater erschlagen. Nun töte auch mich, denn ich bin des Todes schuldig."
Da ging ein eigenartiger Glanz über das Gesicht des Verfolgers:" Ich bin Christ, und als Christ weiß ich um die Herrlichkeit der Vergebung. Ich laufe hinter dir her, um dir zu sagen: Komm nach Hause! Lebe in Frieden! Ich habe dir vergeben!

Da schlug der Schuldige die Hände vors Gesicht und weinte: "Wie viele Qualen hätte ich mir erspart, wenn ich sofort zu dir gekommen wäre und meine Schuld bekannt hätte! Ich meinte, du seist hinter mir her, um mich zu vernichten - aber du liefst mir nach, um mir zu vergeben. Wie sinnlos war doch meine Flucht!"

Diese Geschichte fiel mir ein, als ich kürzlich durch die Straßen einer Großstadt ging. Dabei fiel mir auf, wie die Leute einen gehetzten und friedlosen Zug im Gesicht haben. Warum wohl?

Sie sind auf der Flucht vor dem lebendigen Gott.

Nun fliehen sie in die Unruhe, in Arbeit, Vergnügen, Streitereien, in Erotik, Alkohol und Drogen... das Leben des modernen Menschen ist ja eine so sinnlose Flucht geworden, dass er schon gar nicht mehr genau weiß, vor wem er eigentlich flieht. Aber fliehen muss er. Ja er muss, denn Gott ist hinter ihm her!

Es ist schlimm, wenn Gott uns erst am jüngsten Tag einholt. Dann kann er uns nichts mehr sagen, dann redet nur noch unsere Schuld und seine Gerechtigkeit. Gerade darum ist er jetzt hinter uns her! Warum fliehen wir eigentlich so närrisch? Ich habe es auch einmal getan. Aber er holte mich ein. Sein Wort an mich war: "Ich habe deine Sünden vergeben. Du darfst heimkommen zu mir!"

Wollen wir nicht unsere Flucht vor ihm aufgeben?? Wollen wir uns nicht stellen und ihm bekennen: "Ich habe gesündigt!" Das ist die rechte Buße! Damit fängt das Freuen an und das Heimkommen und der Friede.

Wilhelm Busch