Denn als

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»Denn als die verlassene und im Herzen tief bekümmerte Gattin rufe ich dich, der Herr, zurück. Wie könnte man auch die Jugendgeliebte verstoßen, spricht dein Gott«.
Jesaja 54,6 (Mengeübersetzung)

»Denn ich eifere um euch mit göttlichem
Eifer; denn ich habe euch verlobt einem einzigen Manne, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte«
2. Korinther 11,2 (Lutherübersetzung)

In diesen Texten, sowie in weiteren Abschnitten der Schrift taucht immer wieder der Gedanke und das Bild von der Angehörigen Gottes und der Braut des Herrn auf. Dieses durchgängige biblische Konzept soll hier etwas genauer dargestellt werden.

Die Braut als Bild für die Beziehung zum Herrn

Im Alten Testament lässt sich Gott auf sein Volk ein. Die Beziehung zwischen ihm und den Menschen entspricht dem Verhältnis eines treuen Mannes zu seiner untreuen oder hilflosen Frau.

Auch das gesamte Hohelied beschreibt in dichterischer Form die Liebe in Bewunderung und Zuneigung zwischen dem Freund und seiner »Geliebten«. Offenbar dürfen wir darin die Liebe des Herrn zu seiner Gemeinde sowie die Liebe der Christen zu Christus entdecken. So schreibt der Autor unter anderem: »Mein Freund ist mein, und ich bin sein, der unter den Lilien weidet« (Hld 3,16).

Im Neuen Testament ist dann Christus selbst der Bräutigam und seine Gemeinde die Braut. Sie soll ihm treu sein, wie er selbst ihr treu ist, bis zur vollkommenen Vereinigung in Herrlichkeit.

Der Vergleich des Volkes Gottes und der Gemeinde des Herrn mit einer Auserwählten und Geliebten, einer Braut und einer Frau zieht sich so durch die gesamte Schrift und zeigt viele Aspekte auf, die sich mit diesem Bild leicht verständlich machen lassen.

Die Braut als Ziel der Liebe Christi

Als der Täufer Johannes als Vorläufer Jesu auf seinen Auftrag zurücksah, formulierte er die bezeichnenden Worte: »Ich bin nicht der Christus, sondern vor ihm her gesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund, der dabeisteht und ihm zuhört, freut sich sehr über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllt. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen« (Joh 3,29-30).

Der Prophet gebraucht hier ein so mildes Bild voller Harmonie und Zuwendung. Christus ist nun da, um sich mit seiner Braut zu vereinen. Jesus kam aus Liebe zu denen in die Welt, die ihm gehören und nachfolgen werden. Durch sein Leiden und Sterben hat er sich eine »Brautgemeinde« aus der Welt herausgeliebt. Gott ist nicht nur der Heilige und Andersartige, sondern er ist uns in Liebe erschienen (Joh 3,16; 1. Joh 4,9-12) und ist Liebe (1. Joh 4,16).

Der Apostel Paulus greift diesen Gedanken ebenfalls auf und gebraucht dasselbe Bild: »Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben...« (Eph 5,25-27).

So ist der Aspekt auch gleichzeitig ein Modell zum Verständnis der Beziehung des Herrn zu seiner Gemeinde.

Die Braut als Erwartende des Herrn der Herrlichkeit

Dieser Gedanke wird natürlich sehr stark in der Offenbarung herausgestellt.

Der Ewigkeitsaspekt ist schon darin angelegt, dass die Beziehung der Gemeinde zum Herrn in dieser Zeit mit einem Verlobungsverhältnis beschrieben wird. Die eigentliche »Hochzeit« steht noch aus, bis der Bräutigam kommt um seine Braut heimzuholen. Schon das Gleichnis von den zehn Jungfrauen transportiert diese Erwartung, obwohl es dabei vorrangig um die Brautjungfern geht, die sich richtig oder falsch vorbereitet haben und verhalten. Jedenfalls erklingt der Ruf: »...Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen...« (Mt 25,1-13).

In der Offenbarung ist dieser Bräutigam auch der wiederkommende Herr, der seine Gemeinde so abholt, wie ein Bräutigam seine Braut nach orientalischem Muster. Es wird dort ausgerufen: »Siehe, die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet...Selig sind, die zur Hochzeit des Lammes berufen sind« (Offb 19,6-9).

Eine ähnliche Szene taucht noch einmal später auf. Die Vision von der kommenden Gottesstadt entspricht dem Bild einer zur Hochzeit geschmückten Braut (21,1-7).

Dass hier nicht nur ein Bild mit einem anderen verbunden wird, sondern dass das herrliche Jerusalem tatsächlich das nun verherrlichte Volk Gottes, die Gemeinde, ist, wird einige Verse später ganz deutlich mit der Aufforderung: »Komm, ich will dir die Frau zeigen, die Braut des Lammes...Und er führte mich hin im Geist...und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem...« (Offenbarung 21,9-26).

Das führt uns gedanklich noch einmal zu dem Text oben (2. Kor 11,2). Paulus eifert um die Gemeinde als »Jungfrau«.

Er versteht sich als Brautwerber, wie es zu seiner Zeit in der Gesellschaft üblich war, und will mit allen Kräften und Mitteln erreichen, dass sein Dienst am Bau der Gemeinde nicht durch zerstörerische Kräfte behindert oder sogar verhindert wird (2. Kor 11,3-4).

Wir als Gemeinde gehören »einem einzigen Mann«, unserem Retter und Herrn Jesus Christus. Das gilt es immer wieder neu zu erkennen, zu bewahren und zu verteidigen in einem geistlichen Ringen um Reinheit und Reife!

Darum ist dieses zarte Bild von der Braut auch gleichzeitig ein Ausdruck für eine umkämpfte Wirklichkeit im Dasein der Gemeinde.

Eckhard Bewernick